Donnerstag, 29. November 2012

Zona Cafeteria - Salento


Von Medellin ging es 7 Stunden mit dem Bus in die sogennante „zona cafeteria“. Mich hat es nach Salento, ein schönes, etwas verschlafenes Örtchen verschlagen, welches wohl eher vom Tourismus als vom Kaffeeanbau lebt.

Hier habe ich 3 Tage zugebracht, in einem etwas außerhalb gelegenen, sehr schönen Hostel. Dort habe ich u.a. einen Reisebekannten aus Bogota wiedergetroffen (und einige andere Leute aus meinem Hostal in Medellin). Die Backpacker-Welt ist dann doch nicht so groß...



Die Gegend eignet sich einerseits zum faul abhängen (was ich diesmal nicht gemacht habe...) und andererseits insbesondere zum Wandern.










Kakaosuppe & Käse - nur der Hunger trieb es rein...



Unser Jeep
Freunde & Helfer





















Interessant war der Besuch einer sehr kleinen Kaffee-finca (Jahresproduktion: 200 Kilos - nur für die Besucher), wo wir selbst unseren Kaffee geröstet haben. Das Haupthaus hat noch nicht einmal Elektrizität, alles ökologisch-natürlich.




Das Endergebnis




Vogelbeobachtung war ein 2. highlight der Finca:

















Reiten war ein weiteres highlight: Ich habe mich - zum Glück - nur für die 2 Stunden Tour entschieden. Da ich den Guide nicht verstanden habe, war ich erstmal ganz froh, als er das Pferd nach 10 Minuten vorausreitend mit der Leine geführt hat. Auf dem Schotter war der Gaul auch nicht trittsicher, was ohne Helm nicht beruhigend gewirkt hat. Nach einer Stunde fingen dann Hintern und Knie an zu schmerzen...





























Dies ist auch der letzte Kolumbien-Beitrag, nach ca. 7 Wochen ging es dann über Medellin weiter nach Peru.

Freitag, 23. November 2012

Lost City treck (Ciudad perdida)

Nun mit einiger Verspätung noch der Bericht zum Lost city treck. Ich hatte noch auf einige Fotos anderen Teilnehmern gewartet, die aber bislang noch nicht eingetrudelt sind:

Die historische Indio Stadt wurde erst vor 40 Jahren wiederentdeckt und leider erst mal weitgehend von Grabräubern geplündert.
Bis 2007 wurde die Gegend von Paramilitärs und Rebellengruppen unsicher gemacht. In 2003 gab es eine Entführung einer Reisegruppe auf dem Weg zur Ciudad Perdida, die Geiseln wurden knapp 100 Tage gefangen gehalten, u.a. war auch eine Deutsche betroffen.
(hier das Tagebuch der dt. Geisel: 
http://www.stern.de/politik/deutschland/kolumbien-entfuehrt-519762.html)
Seit 2007 hat die Armee in diesem Gebiet jedoch die Kontrolle wieder übernommen, Paramilitärs sowie FARC und ELN spielen faktisch keine Rolle mehr.

Der Treck führt durchsog. indigene Gebiete und kann nur organisiert (für ca 250€) durchgeführt werden. In 5 Tagen sind insgesamt 46 km durch unwegsames Gelände zu laufen.

Täglich zwischen 4 und 7 Stunden durch unwegsames Gelände laufen ist schon eine besondere Erfahrung, nach 10 Jahren Büroarbeit ist der Körper das nicht mehr gewöhnt.

Bedingt durch die Regenzeit fing es nachmittags meistens strömend an zu regnen (und das für Stunden), die Wege wurden dann in kürzester Zeit Bächen und die knietiefen Bäche zu mindestens hüfthohen Strömen. Schlamm und Steine wurden dann gleichermaßen zu einer rutschigen Herausforderung. Leider habe ich keine wasserdichte Kamera, so dass Fotos davon fehlen.

Unsere Reisegruppe

Auch Pferde mussten da durch....



Schlammweg




Abends wurden dann in der Unterkunft die Klamotten gewechselt: Die trockene Garnitur angezogen sowie die nassen Klamotten durchgewaschen und aufgehängt. 
Am nächsten Morgen dann andersrum: Die immernoch nassen Klamotten wieder angezogen (am Körper trocknet die Kleidung dann schnell, bevor sie wieder durchgeschwitzt wird) und die trockenen Sachen gut eingepackt in den Rucksack. Dabei lernt man moderne, schnell trocknende Outdoorkleidung sehr zu schätzen.


Schlaflager (hier mit Betten, zweimal waren es Hängematten)



Frühstück

"Herd"





















Für mich wurde die Tour etwas durch ein Magen-Darm Problem am 2. Tag „verkompliziert“. Ich musste daher mit einem der Guides vorzeitig ein provisorisches Nachtlager in einer Hütte aufgeschlagen, während die Gruppe weitergezogen ist.

An dem Abend hat mir der Guide noch 2 Stunden über die Kultur in Tayrona und die Historie der Gegend erzählt. Da er (wie alle anderen Guides) allerdings nur Spanisch sprach, habe ich leider nur einen (kleinen...) Teil verstanden.


Essen und Nachtlager nur für mich...
(links "mein" Guide Castra und rechts der Hüttenbesitzer)



Dank Immodium ging es am Folgetag zum Glück wieder viel besser. Da die Option auf weitere Erholung faktisch nicht bestand und im Laufe des Tages die Kräfte schrittweise zurückkehrten, haben wir am 3. Tag nicht nur die verlorene Stadt besichtigt, sondern schlussendlich die vorausgegangene Gruppe nach insgesamt 10 Stunden Marsch wieder eingeholt. Habe mich dabei etwas in Bundeswehr-Zeiten zurückversetzt gefühlt - danach ging es allerdings meinem Magen wieder bestens.

Ciudad perdida







Viele nasse Stufen (u ein Hund als Begleiter)
geschafft
 



















Die Belohnung waren die 2 Folgetage, die dann nur noch aus 3 bis 4 Stunden Wegstrecke bestanden. Auch das Wetter wurde deutlich besser: Erholung pur inkl. Schwimmen im Wasserfall und Fotoshooting mit einigen Indios!

Vor einer typischen Hütte


...mit Lollis und Toastbrot...
















Insgesamt war der Weg selbst das Ziel, die „ciudad perdida“ war schön, aber nicht absolut außergewöhnlich. Statt noch mehr zu schreiben, hier nun noch einige Fotos:











Bildunterschrift hinzufügen




Montag, 19. November 2012

Städtetour: Cartagena und Medellin

Mit einiger Verzögerung komme ich nun auf dem Flughafen in Lima dank des Starbucks Wifi dazu, mal wieder einen Post fertigzustellen:

Cartagena:


Nach dem lost city treck (der Bericht folgt noch) habe ich mich erstmal in Taganga regeneriert und wollte eigentlich für 2 bis 3 Tage die sehr schönen Strände im Tayrona Nationalpark geniessen. Nachdem ich den Parkaufenthalt wegen Regenwetter zweimal verschoben habe, hatte ich die Nase voll und bin etwas eher als geplant nach Cartagena weitergefahren. Dadurch hatte ich dann 4 volle Tage in Cartagena bis zu meinem Flug nach Medellin

Auf der Busfahrt nach Cartagena habe ich leider eine ordentliche Erkältung bekommen, so dass ich mich in Cartagen einerseits erholt habe und ansonsten die Stadt erkundet habe.
Für gleiches Geld hatte ich mir diesmal statt eines Hostels den Luxus eines doppelt so großen Hotelzimmers gegönnt.
Bei der Ankunft habe ich erst einen Schock bekommen: Von außen sah das Hotel katastrophal aus, das Zimmer war dann aber super.
Einkalkulierter Nachteil war, dass die Atmosphäre nicht kontaktfreudig war und ich dort niemanden kennengelernt habe.

Ausblick von meinem Hotelzimmer im 9. Stock
Mein Hotel von außen
Cartagena's Zentrum ist eine sehr schöne koloniale Küstenstadt, mit vielen Kirchen, Museen und Restaurants. Das Zentrum ist aber auch ein ziemlich teures Pflaster, vele der Restaurants in touristischen Zentrum sind sehr edel und liegen auf europäischem Preisniveau. 

Auch die alte, das Zentrum umgebende Stadtmauer und die alten Forts sind sehr sehenswert.















 
Stadtmauer





Das größte Fort der Spanier, es wurde nie eingenommen und die Konstruktion war Vorbild auch für europ. Verteidigungsanlagen



Von der Stadtmauer ließen sich tolle Sonnenuntergänge beobachten


Moderne Hotelkomplexe & Strand




























Die anderen Stadtteile von Cartagena bekommt man als Tourist meistens gar nicht zu Gesicht. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass Cartagena eher eine der ärmsten Städte in Kolumbien ist und nicht (wie vermutet) ein wohlhabendes Zentrum.

Was gibt's noch zu berichten: Das Wetter ist dort sehr warm und die Tage waren zum Glück auch mal wieder regenfrei.
Das Nachtleben war speziell am Wochenende „hochkarätig“ (ich hatte zufällig einen dort lebenden Deutschen kennengelernt, der sich bestens auskannte, so dass ich zwei der besten Läden in interessanter Gesellschaft besucht habe). 
 
Allgemein werden in Kolumbien sehr viele Hits der 80er und frühen 90er gespielt, was ein ganz passendes „Retro-Feeling“ erzeugt.




Ein Dutzend Süßigkeitenstände an einem Platz


"Cafe Americano und German Cake"


Inquisitions-Museum
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Medellin:


Medellin ist wahrscheinlich die modernste Stadt Kolumbiens: Vergleichsweise sehr sauber, es gibt (nur hier) eine Metro und viele nette Plätze. Die Stadt macht insgesamt einen wohlhabenden Eindruck., wobei die Unterschiede zwischen arm und reich auch besonders deutlich werden.

Die Metro beinhaltet auch Seilbahnen (cable cars) in die an den Berghängen liegenden „armen“ Stadtviertel, was einen interessanten Einblick und von oben einen super Ausblick beinhaltet. Ausgiebigere Wanderungen macht man dort als Tourist selbst tagsüber allerdings besser nicht.

Neben dem üblichen Stadterkundungsprogramm habe ich Paragliting „gemacht“, ein gigantisches Gefühl mit Blick über die ganze Stadt.!


Ein etwas angespanntes Lächeln...

Ein weiteres Highlight war ein Ausflug ins 2 Stunden entfernte Guatape.

Herrlicher Ausblick von einem Felsen
Der Fels mit Aussichtspunkt
Meine "Reisegruppe"

Meine Lieblingsfotos...:-)
















Kriminalität:


Aufgrund seiner Historie (Drogenkartelle, Rebellengruppen, höchste Mordraten, schwache Staatsgewalt) wird Kolumbien vielfach immernoch als riskantes Reiseland eingestuft.

Die postive politische, militärische und wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahrzehnt macht Kolumbien daher zu einem touristischen Geheimtipp.

Allerdings ist es extrem schwer, sich einen genaueren Überblick über die Fortschritte zu verschaffen. An einem Abend habe ich zB im Hostal einen Deutschen kennengelernt, der in Medellin lebt, u.a. durch solche Begegnungen ergeben sich interessante „Insights“. 

Die ärmeren Viertel in Medellin werden größtenteils nach wie vor von verschiedenen Mafiaorganisationen kontrolliert, die Kämpfe zwischen diesen fordern nach wie vor sehr viele Todesopfer (angabegemäß zwischen 1.000 und 2.000 Tote pa allein in Medellin und Umgebung). Die Polizei traut sich in manche Viertel auch aktuell nur selten rein.
Vorteil“ dieser organisierten Kriminalität ist, dass sie primär einige Stadtviertel betrifft und Touristen dabei generell keine Zielscheibe sind.

In den letzten 10 Jahren wurde in Medellin scheinbar auch sehr viel gemacht, um das Zusammengehörigkeitsgefühl der Bürger zu stärken und die Kriminalität abzusenken.
Mitten in den eher armen Gebieten wurde eine hochmoderne, öffentliche Bibliotek gebaut, berühmt ist eine Rolltreppe, die einige arme Gegenden mit dem Stadtkern verbindet.
Für einen außenstehenden Touristen ist es schwer zu beurteilen, ob dies mehr als nur Symbolik beinhaltet.

Selbst wenn es ernsthaft angestrebt wird (nicht jeder glaubt daran), läßt sich die Kombination aus Armut, hoher Arbeitslosigkeit und schlechter Schulbildung für die breite Masse natürlich nicht in wenigen Jahren korrigieren.
Im Gegensatz zu den meisten Nachbarländern scheint Kolumbien eher auf ein an den USA orientiertes, kapitalistisches Wirtschaftsmodell zu setzen. Ausgang offen....

Cable Car verbindet die in die Hänge gebauten Stadtteile mit dem Zentrum

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